Kurzantwort: Müdigkeit, nicht erholsamer Schlaf und Konzentrationsprobleme können trotz eines niedrigen AHI mit einer schlafbezogenen Atemstörung zusammenhängen. Beim Upper Airway Resistance Syndrome, kurz UARS, führen Atemflussbegrenzungen und erhöhte Atemarbeit zu Weckreaktionen, ohne dass immer ausreichend viele klassische Apnoen oder Hypopnoen gezählt werden. Die ICSD-3 ordnet diese Konstellation dem Spektrum der obstruktiven Schlafapnoe zu.
Redaktionell medizinisch geprüft und aktualisiert am 27.07.2026.
Warum kann der AHI niedrig sein?
Der AHI zählt Apnoen und Hypopnoen pro Schlafstunde. Erfasst eine Untersuchung den tatsächlichen Schlaf nicht genau oder werden Ereignisse vor allem durch EEG-Weckreaktionen statt deutliche Sauerstoffabfälle beendet, kann der AHI die Belastung unvollständig abbilden.
Relevant können sogenannte RERAs sein: Sequenzen zunehmender Atemarbeit oder abgeflachten Atemflusses, die mit einer Weckreaktion enden, aber die Kriterien einer Apnoe oder Hypopnoe nicht erfüllen. Der Respiratory Disturbance Index, RDI, kann Apnoen, Hypopnoen und RERAs zusammenfassen.
Welche Untersuchung ist geeignet?
Eine einfache Aktigraphie misst vor allem Schlaf-Wach-Rhythmen und Bewegung. Sie kann UARS nicht diagnostizieren. Auch viele ambulante Polygraphiegeräte zeichnen kein EEG auf und können arousalbasierte Ereignisse nicht zuverlässig erfassen.
Bei anhaltend hohem klinischem Verdacht trotz negativer oder unklarer ambulanter Untersuchung kann eine Polysomnographie im Schlaflabor sinnvoll sein. Die Auswertung sollte Atemflussbegrenzung, RERAs, RDI, Schlafstadien, Körperlage, Sauerstoffwerte und andere mögliche Schlafstörungen berücksichtigen.
Welche Beschwerden passen?
Möglich sind:
- ausgeprägte Müdigkeit oder Erschöpfung,
- nicht erholsamer Schlaf,
- häufiges Erwachen und Insomnie,
- Konzentrations- oder Stimmungsprobleme,
- Kopfschmerzen und trockener Mund am Morgen.
Diese Beschwerden sind nicht spezifisch. Auch Schlafmangel, Medikamente, Depression, Restless-Legs-Syndrom, Schilddrüsenerkrankungen oder andere internistische Ursachen müssen je nach Situation geprüft werden.
Wie wird UARS behandelt?
Die Evidenz ist kleiner als bei klassischer OSA. Frühe physiologische Studien zeigten, dass CPAP Atemflusslimitierungen und Weckreaktionen vermindern kann. Eine kleine randomisierte Studie fand langfristige Verbesserungen unter einer Unterkieferprotrusionsschiene. Je nach Befund kommen außerdem die Behandlung einer Nasenobstruktion, Lagerung, Gewichtsmanagement oder eine gezielte anatomische Therapie infrage.
Welche Therapie passt, sollte anhand objektiver Befunde und Beschwerden entschieden und anschließend kontrolliert werden. Die Aussage „Bei UARS braucht man kein CPAP“ ist ebenso falsch wie die automatische Verordnung von CPAP allein aufgrund unspezifischer Müdigkeit.
Wird aus UARS später immer eine Schlafapnoe?
Das ist nicht belegt. In einer Langzeitstudie wurden 94 Betroffene nach durchschnittlich viereinhalb Jahren erneut untersucht. Fünf erfüllten dann AHI-Kriterien einer OSA; der RDI der Gesamtgruppe änderte sich nicht signifikant. Die Beschwerden nahmen bei vielen unbehandelten Teilnehmern deutlich zu. Daraus folgt: UARS kann klinisch relevant sein, eine häufige zwangsläufige Progression zur OSA ist aber nicht nachgewiesen.
Bei anhaltenden Beschwerden bietet sich zunächst eine qualifizierte Schlafapnoe-Diagnostik an.
Quellen und Evidenz
- AASM-Position zu arousalbasierter Auswertung, RDI und RERAs, 2018: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29991439/
- AASM-Diagnostikleitlinie, 2017: https://www.aasm.org/resources/clinicalguidelines/diagnostic-testing-osa.pdf
- Frühe CPAP-Interventionsstudie bei UARS, 1993, nur 15 Patienten: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8365289/
- UARS-Langzeitstudie, 2006, 94 nachuntersuchte Patienten: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16473570/
- Kleine randomisierte Studie zur Unterkieferprotrusionsschiene, 2017: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29045745/
- AASM-Aktigraphie-Leitlinie, 2018: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29991437/