Frau mit depressionen, hält sich den Kopf

Etwa 20% der Bevölkerung leidet unter psychischen Erkrankungen, die unter anderem zu Schlafstörungen aber auch zu Tagesmüdigkeit führen. Mit solchen Einschränkungen ist die Bewältigung des Tages in vielen Fällen eine Herausforderung. Denn ohne produktiven Schlaf kann keine Konzentration erzeugt werden. Es entsteht ein Teufelskreis, der nur schwer durchbrochen werden kann.

Die geistige Gesundheit und der Schlaf hängen eng miteinander zusammen. Sie haben einen großen Einfluss aufeinander. Wichtig ist deshalb, dass die psychische Gesundheit möglichst gut untersucht, erforscht und kontrolliert wird. Besonders dann, wenn sie sich auf den Schlaf auswirkt. Nur so ist es möglich, die Zusammenhänge zwischen psychischer Gesundheit und Schlaf zu erkennen und zu prüfen, wie sich beide beeinflussen. Nur so kann herausgefunden werden, wie ein besserer Schlaf möglich ist.

Damit das Einschlafen leichter fällt, müssen der Körper und der Geist in einem entspannten Zustand sein. Sorgen oder Stress dürfen nicht mit ins Bett genommen werden. Wer gar nicht abschalten kann und sich nicht auf die Schlafphase vorbereitet, findet auch keine Ruhe. Das überträgt sich dann auf den Schlaf, der nicht intensiv genug ist und der dafür sorgt, dass am nächsten Morgen die Energie fehlt, um den Tag ordentlich zu meistern.

Die Neuronen

Damit ein Einschlafen stattfinden kann, setzen die schlaffördernden Neuronen hemmende Neurotransmitter frei. Diese beruhigen den Geist und sie verhindern, dass man sich wach fühlt. Obendrein wird die Anzahl der schlafaktiven Neuronen im Gehirn erhöht.

Wer unter einer psychischen Erkrankung leidet, kann sein Gehirn nur bedingt ausschalten. Er kann sich nur sehr schwer in einen Zustand der Entspannung versetzen, der aber wiederum notwendig ist, um einschlafen zu können. Wer gestresst ist hat automatisch einen höheren Cortisol- und Adrenalinspiegel. Diese beiden Hormone sind jedoch nicht beruhigend. Sie sind mit einer Kampf- und Fluchtreaktion verbunden.

Psychische Störungen

Angstzustände, die zu den psychischen Erkrankungen zählen, können beispielsweise dazu führen, dass der Kampf und die Flucht des Körpers fehlschlagen. Somit befindet man sich in einem ständigen Fluchtzustand. Das Fluchtgefühl ist aber die Unfähigkeit vom Körper, sich zu entspannen. Das bedeutet wiederum, dass die schlaffördernden und schlafaktiven Neuronen nicht eingeschaltet werden können. Wer sich in einem ständigen Kampf- oder Fluchtzustand befindet, wird die Melatoninproduktion unterdrücken. Und das wiederum führt zur Schläfrigkeit.

Neben den Angststörungen kennen wir noch weitere psychische Erkrankungen, die ähnliche Reaktionen auslösen können. Zum Beispiel posttraumatische Belastungsstörungen, Zwangsstörungen, Hyperaktivitätsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite und Panikstörungen. Zudem gibt es einige Persönlichkeitsstörungen, die ebenfalls auf den Schlaf wirken.

Studien haben gezeigt, dass Menschen mit einer bipolaren Störung im manischen Zustand einen deutlich höheren MHPG aufweisen. Er ist drei bis viermal so hoch. Dieser Stoff ist ein Metabolit, der mit der Wachheit verbunden ist und dadurch ein absoluter Feind des Schlafs ist.

Patienten, die Schizophrenie haben sind ebenfalls gute Kandidaten für Schlafstörungen. Hier weiß die Wissenschaft aber noch nicht, ob die Schizophrenie durch die Schlafstörung begünstigt wird oder ob die Schlafstörung die Schizophrenie begünstigt. Beide Aspekte hingen jedoch eng miteinander zusammen.

Wie Schlafstörungen Einfluss auf psychische Erkrankungen haben

Fehlt der Schlaf, wirkt sich das auch auf die geistige Gesundheit aus. Schlafstörungen beeinträchtigen die natürliche Fähigkeit vom Körper, abzuschalten und sich auszuruhen. Das ist aber wichtig, damit der Körper sich reparieren und wiederherstellen kann. Schlafunterbrechungen führen dazu, dass man frustriert und unruhig ist und gleichzeitig erschöpft aufwacht. Man hat das Gefühl, dass man überhaupt nicht geschlafen hat und völlig leer ist.

Eine Studie hat Menschen mit Symptomen einer obstruktiven Schlafapnoe und Depression untersucht. Dabei ging es um die Anzeichen Atemnot, Keuchen und Schnauben. Die Schlafapnoe kann die Angst und somit die Depression verschlimmern. Das Gehirn löst ein Paniksignal aus, wenn die Betroffenen nicht richtig atmen können. Sie wachen auf, um die Atmung wieder auf ein normales Level zu bringen. Aber dieses Aufwachen stört den Schlafzyklus und sorgt so für Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Konzentrationsschwäche.

Die bipolare Störung haben wir bereits aufgegriffen. Sie verhindert in der manischen Phase, dass der Patient ausreichend Schlaf bekommt. Ähnlich sieht es bei ADHS aus. Die Krankheit hat einen Einfluss auf die Quantität und die Qualität des Schlafes. Wer nicht genügend Schlafqualität hat, neigt mehr zu ADHS. Gleichzeitig führt ADHS dazu, dass die Schlafqualität schlecht ist. Denn Patienten mit ADHS tun sich sehr schwer, abzuschalten. Sie haben immer wieder neue Gedanken im Kopf, die ihnen das Einschlafen nur sehr schwer erlauben. Und deshalb passt auch hier beides exakt zusammen.

Zu guter Letzt hat der Schlafmangel auch Auswirkungen auf die emotionale Regulation. Ist der Schlaf nicht produktiv, lassen sich negative Emotionen wie beispielsweise Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen oder temperamentvolle Ausbrüche nicht abbauen. Sie verstärken sich durch den Schlafmangel und führen dann dazu, dass auch hier die psychische Gesundheit leidet.

Ein Schlafplan als Abhilfe

Durchbrochen kann dieser Kreislauf nur dann, wenn beide Aspekte untersucht werden. Die psychische Gesundheit und die Schlaflosigkeit beziehungsweise der Schlafmangel. Pro Nacht werden sieben bis neun Stunden produktiver Schlaf empfohlen. Nur dann kann sich der Körper erholen, er kann sich regenerieren und die geistige Gesundheit wiederherstellen. Um das zu kontrollieren und zu fördern, ist die Erstellung eines Schlafplans sinnvoll. Wer den ganzen Tag zu zufälligen Zeiten schläft, wird die Schlafqualität nur bedingt verbessern können. Wichtig ist, dass feste Schlafenszeiten und feste Rituale gelten. Genauso, wie man das auch bei Kleinkindern macht. Auch sie brauchen festen einen festen Ablauf, um ihren Tag meistern zu können.

Mit dem Erstellen von einem regelmäßigen Schlafplan, der immer wiederholt wird, fördert man einen guten und produktiven Schlaf. Das zeigt sich dann auch im Alltag, der deutlich besser gemeistert werden kann.

Eine kognitive Verhaltenstherapie hilft

CBT ist eine bekannte Therapietechnik, die zur Behandlung von psychischen Erkrankungen zum Einsatz kommt. Darüber hinaus legt die Behandlung auch ein Augenmerk auf chronische Schlaflosigkeit. So können physische Erkrankungen und Schlaflosigkeit miteinander verbunden und gleichzeitig ausgeschlossen werden. Eine Beratung in diese Richtung ist auf jeden Fall empfehlenswert.

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