Respiratorische Insuffizienz

Eine respiratorische Insuffizienz liegt vor, wenn der Körper über die Lunge nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und/oder Kohlendioxid nicht ausreichend abgeatmet werden kann. Eine akute respiratorische Insuffizienz ist ein medizinischer Notfall. Eine chronische Form kann sich schleichend entwickeln, muss aber ebenfalls fachärztlich abgeklärt und kontrolliert werden.

Welche Formen gibt es?

Fachlich werden vor allem zwei Mechanismen unterschieden:

  • Hypoxämische oder pulmonale Insuffizienz: Vor allem die Sauerstoffaufnahme ist gestört. Als Orientierungswert gilt häufig ein arterieller Sauerstoffpartialdruck (PaO₂) unter 60 mmHg.
  • Hyperkapnische oder ventilatorische Insuffizienz: Die sogenannte Atempumpe ist überfordert und Kohlendioxid steigt an. Bei einer akuten Hyperkapnie ist zusätzlich der pH-Wert entscheidend. Ein PaCO₂ ab etwa 45 mmHg zusammen mit einem pH unter 7,35 spricht für ein akutes hyperkapnisches Atemversagen.

Einzelne Grenzwerte müssen immer zusammen mit Beschwerden, Verlauf, Vorerkrankungen und der aktuellen Behandlung beurteilt werden.

Welche Ursachen sind möglich?

Akute oder chronische Störungen können unter anderem entstehen durch:

  • COPD und schwere Asthmaanfälle,
  • Lungenentzündung, Lungenödem oder akutes Lungenversagen,
  • Lungenembolie,
  • interstitielle Lungenerkrankungen,
  • neuromuskuläre oder thoraxbedingte Schwäche der Atempumpe,
  • Adipositas-Hypoventilationssyndrom,
  • Medikamente oder Substanzen, die den Atemantrieb dämpfen,
  • schwere Verletzungen und andere akute Erkrankungen.

Welche Symptome sind Warnzeichen?

Mögliche Zeichen sind Atemnot, beschleunigte oder auffallend flache Atmung, bläuliche Lippen, Kopfschmerzen, ungewöhnliche Schläfrigkeit, Verwirrtheit, Unruhe, Leistungsknick und Erschöpfung der Atemmuskulatur. Die Beschwerden hängen davon ab, ob vor allem Sauerstoff fehlt, Kohlendioxid ansteigt oder beides zusammenkommt.

Sofort 112 rufen: bei schwerer oder rasch zunehmender Atemnot, blauen Lippen, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung, Erschöpfung der Atmung oder starken Brustschmerzen.

Wie wird respiratorische Insuffizienz festgestellt?

Eine Pulsoximetrie misst die Sauerstoffsättigung, erkennt aber eine Kohlendioxid-Anreicherung nicht zuverlässig. Bei Verdacht auf Hyperkapnie ist deshalb eine Blutgasanalyse erforderlich. Je nach vermuteter Ursache folgen körperliche Untersuchung, Labor, Röntgen oder CT, Lungenfunktion, Herzdiagnostik und weitere gezielte Untersuchungen.

Wie wird sie behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Art des Atemversagens. Sauerstoff wird gezielt dosiert und überwacht. Bei Menschen mit Risiko für eine Kohlendioxid-Anreicherung wird häufig ein niedrigerer Zielbereich der Sauerstoffsättigung gewählt als bei rein hypoxämischem Versagen.

  • CPAP erzeugt einen kontinuierlichen positiven Atemwegsdruck und kann beispielsweise beim kardialen Lungenödem oder bei obstruktiver Schlafapnoe sinnvoll sein.
  • Nichtinvasive Beatmung (NIV) unterstützt zusätzlich die Einatmung und entlastet die Atempumpe. Besonders gut belegt ist sie bei akuter hyperkapnischer COPD-Exazerbation mit Azidose.
  • Invasive Beatmung kann erforderlich werden, wenn Bewusstsein, Schutzreflexe, Kreislauf oder Atmung versagen oder eine nichtinvasive Behandlung nicht ausreicht.

Medikamente behandeln die jeweilige Ursache – beispielsweise eine Bronchialverengung, Entzündung, bakterielle Infektion oder ein Blutgerinnsel. Bronchodilatatoren, Kortison und Antibiotika sind deshalb nicht pauschal austauschbar.

Was hat das mit Schlafapnoe zu tun?

Eine unkomplizierte obstruktive Schlafapnoe ist nicht dasselbe wie eine respiratorische Insuffizienz. Bei ausgeprägter Adipositas-Hypoventilation, neuromuskulären Erkrankungen, schwerer COPD oder anderen Störungen der Atempumpe kann die nächtliche Atmung jedoch zu einer chronischen Kohlendioxid-Anreicherung beitragen. Dann reicht eine reine Sauerstoffmessung oft nicht aus; die nächtliche Ventilation muss gezielt untersucht werden.

Informationen zur Abklärung schlafbezogener Atmungsstörungen finden Sie unter Schlafapnoe-Ursachenbestimmung und in unserem Beitrag zu Schlafapnoe-Symptomen.

NÄCHTLICHE ATMUNG ABKLÄREN

Besteht zusätzlich ein Schlafapnoe-Verdacht?

Schnarchen, beobachtete Atempausen, Tagesmüdigkeit oder auffällige nächtliche Sauerstoffwerte können eine gezielte Schlafmessung sinnvoll machen.

Schlafapnoe-Risiko prüfen →Atemweg untersuchen lassen

Nicht für akute Atemnot: Bei Warnzeichen sofort 112.

Langzeitbehandlung und Vorbeugung

Rauchstopp, empfohlene Impfungen, Bewegung und Rehabilitation sowie regelmäßige Kontrollen können je nach Grunderkrankung wichtig sein. Bei chronischer Beatmung oder Sauerstofftherapie müssen Wirksamkeit, Blutgase und nächtliche Atmung regelmäßig überprüft werden. Therapieeinstellungen sollten nicht eigenständig verändert werden.

Fazit

Respiratorische Insuffizienz ist keine einzelne Krankheit, sondern das Ergebnis unterschiedlicher Störungen von Gasaustausch oder Atempumpe. Entscheidend sind Blutgase, Ursache, Beschwerden und Verlauf. Akute Warnzeichen erfordern sofortige medizinische Hilfe; chronische Formen brauchen eine strukturierte fachärztliche Behandlung.

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