Lungenhochdruck, medizinisch pulmonale Hypertonie, bedeutet einen erhöhten Druck im Lungenkreislauf. Dadurch muss die rechte Herzhälfte stärker arbeiten. Lungenhochdruck ist keine einheitliche Erkrankung, sondern kann durch sehr unterschiedliche Herz-, Lungen- und Gefäßerkrankungen entstehen. Die genaue Einordnung ist entscheidend, weil sich die Behandlungen deutlich unterscheiden.
Wann spricht man von pulmonaler Hypertonie?
Nach aktueller Definition liegt eine pulmonale Hypertonie vor, wenn der mittlere Druck in der Lungenarterie in Ruhe über 20 mmHg liegt. Dieser Wert wird im Rechtsherzkatheter gemessen. Für die genaue Form sind zusätzlich der pulmonale Gefäßwiderstand und der pulmonalarterielle Verschlussdruck wichtig.
Eine Echokardiographie kann den Verdacht erhärten und die Belastung des rechten Herzens beurteilen. Sie schätzt Drücke und Wahrscheinlichkeit, ersetzt bei einer therapieentscheidenden Diagnose aber nicht die invasive Bestätigung und Klassifikation.
Welche Ursachen gibt es?
Fachleute unterscheiden fünf Hauptgruppen:
- Pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH): beispielsweise idiopathisch, erblich oder im Zusammenhang mit Bindegewebserkrankungen.
- PH bei Linksherzerkrankungen: etwa bei Herzinsuffizienz oder Klappenerkrankungen.
- PH bei Lungenerkrankungen und/oder Sauerstoffmangel: beispielsweise bei COPD, interstitiellen Lungenerkrankungen oder Hypoventilation.
- Chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH): durch organisierte Gefäßverschlüsse nach Lungenembolien.
- PH mit unklaren oder mehreren Mechanismen: etwa bei bestimmten Blut-, System- oder Stoffwechselerkrankungen.
Welche Beschwerden sind typisch?
Mögliche Zeichen sind zunehmende Luftnot bei Belastung, ungewöhnliche Erschöpfung, Brustdruck, Herzklopfen, Schwindel oder Ohnmacht sowie Wassereinlagerungen an Beinen oder Bauch. Diese Beschwerden sind nicht spezifisch und können viele andere Ursachen haben.
Ohnmacht, schwere Atemnot oder Brustschmerz müssen sofort medizinisch abgeklärt werden.
Wie wird Lungenhochdruck diagnostiziert?
Am Anfang stehen Anamnese, körperliche Untersuchung, EKG und Echokardiographie. Je nach Befund folgen Blutuntersuchungen, Lungenfunktion, Blutgase, CT oder MRT, eine Ventilations-/Perfusionsszintigraphie zum Ausschluss chronischer Gefäßverschlüsse und weitere ursachenbezogene Diagnostik. Die definitive hämodynamische Diagnose und Klassifikation erfolgt im Rechtsherzkatheter.
Welche Rolle spielt Schlafapnoe?
Obstruktive Schlafapnoe allein führt nur selten zu einer ausgeprägten pulmonalen Hypertonie. Häufiger bestehen zusätzliche Faktoren wie COPD, Linksherzerkrankung, Adipositas-Hypoventilation oder anhaltender Sauerstoffmangel. Umgekehrt kommt Schlafapnoe bei Menschen mit pulmonaler Hypertonie häufig vor. Bei Schnarchen, beobachteten Atempausen, Tagesmüdigkeit oder nächtlichen Sauerstoffabfällen kann deshalb eine Schlafmessung sinnvoll sein.
Eine PAP-Therapie kann bei schwerer OSA oder Adipositas-Hypoventilation und erhöhtem pulmonalem Druck die Druckwerte im Mittel senken. Die verfügbare Evidenz ist jedoch heterogen. Die Behandlung der Schlafatmung ersetzt weder die vollständige PH-Diagnostik noch eine ursachenspezifische PH-Therapie.
Wie wird pulmonale Hypertonie behandelt?
Die Therapie richtet sich nach der PH-Gruppe und sollte bei unklarer oder schwerer Erkrankung in einem spezialisierten Zentrum geplant werden.
- PAH: Je nach Risiko kommen gezielte Wirkstoffe und Kombinationen infrage.
- Linksherz- oder Lungenerkrankung: Im Vordergrund steht die Behandlung der Grunderkrankung. PAH-Medikamente sind hier keine pauschale Standardtherapie.
- CTEPH: Je nach Befund kommen pulmonale Endarteriektomie, Ballon-Pulmonalisangioplastie und/oder Medikamente infrage. Eine dauerhafte Antikoagulation gehört regelmäßig zum Behandlungskonzept.
- Begleitmaßnahmen: Diuretika können bei Flüssigkeitseinlagerungen entlasten. Sauerstoff wird bei nachgewiesenem Sauerstoffmangel eingesetzt. Stabil behandelte Patientinnen und Patienten können von einem angeleiteten Trainingsprogramm profitieren.
Eine allgemeine Empfehlung für Blutverdünner oder gefäßerweiternde PH-Medikamente bei jeder Form von Lungenhochdruck gibt es nicht. Die Behandlung muss zur Ursache und zur individuellen Risikoklasse passen.
Was ist bei Verdacht auf Schlafapnoe sinnvoll?
Ein Online-Test kann das Risiko einschätzen, aber keine Diagnose stellen. Entscheidend ist eine geeignete Schlafmessung. Wenn zusätzlich die Anatomie des oberen Atemwegs beurteilt werden soll, kann eine individuelle Atemwegsdiagnostik ergänzende anatomische Hinweise liefern. Sie ersetzt weder die kardiologische PH-Diagnostik noch eine Polygraphie oder Polysomnographie.
SCHLAFATMUNG MITBEURTEILEN
Könnte Schlafapnoe ein zusätzlicher Faktor sein?
Bei Schnarchen, Atempausen oder Tagesmüdigkeit kann eine Schlafmessung klären, ob zusätzlich eine schlafbezogene Atmungsstörung vorliegt.
Schlafapnoe-Risiko prüfen →Atemwege analysieren lassen
Die Untersuchung ersetzt keine kardiologische oder pneumologische Diagnostik des Lungenhochdrucks.
Fazit
Lungenhochdruck muss ursachenspezifisch eingeordnet werden. Echokardiographie, Herz- und Lungendiagnostik sowie bei entsprechender Wahrscheinlichkeit der Rechtsherzkatheter greifen dabei ineinander. Eine mögliche Schlafapnoe sollte mitbeurteilt werden, ist aber nur ein Teil der Gesamtdiagnostik.