Redaktionell geprüft und aktualisiert am 20.07.2026.

Mouth Taping bezeichnet das Verschließen der Lippen mit einem Pflaster oder speziellen Mundstreifen während des Schlafs. Die Methode soll die Nasenatmung fördern, Schnarchen reduzieren und den Mund vor dem Austrocknen schützen. Für eine allgemeine Empfehlung reicht die wissenschaftliche Evidenz jedoch nicht aus. Bei verstopfter Nase, nicht erkannter Schlafapnoe oder anderen Atemwegsproblemen kann das vollständige Abkleben des Mundes riskant sein.

Kurzantwort: Ist Mouth Taping empfehlenswert?

Mouth Taping ist keine anerkannte Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe und sollte nicht als Selbsttherapie eingesetzt werden. Wer regelmäßig schnarcht, Atemaussetzer hat, nachts nach Luft ringt oder tagsüber ungewöhnlich müde ist, sollte zuerst die Ursache untersuchen lassen. Eine gute Nasenatmung ist grundsätzlich sinnvoll – das erzwungene Schließen des Mundes beseitigt aber keine Verengung des Rachens.

Was sagt die Forschung zum Mouth Taping?

Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit wertete zehn Studien mit insgesamt 233 Personen aus. Nur zwei Studien zeigten eine statistisch signifikante Verbesserung etablierter Schlafapnoe-Messwerte wie des Apnoe-Hypopnoe-Index. Andere Untersuchungen fanden keinen eindeutigen Nutzen. Viele Studien waren klein und schlossen Menschen mit verstopfter Nase oder Erkrankungen der Nase ausdrücklich aus.

Das bedeutet: Einzelne ausgewählte Personen können möglicherweise profitieren. Daraus lässt sich aber weder eine zuverlässige Wirkung bei Schlafapnoe noch eine sichere Anwendung für die Allgemeinbevölkerung ableiten.

Welche Risiken gibt es?

Mögliche Probleme sind:

  • erschwerte Atmung bei einer verstopften oder anatomisch verengten Nase,
  • Angst- oder Beklemmungsgefühl,
  • Hautreizungen und allergische Reaktionen auf Klebstoffe,
  • eine verzögerte Diagnose, wenn Schnarchen oder Atemaussetzer scheinbar „behandelt“ werden,
  • eine mögliche Verschlechterung der Atmung bei ungeeigneten Personen.

Besonders bei bekannter oder vermuteter Schlafapnoe, Erkrankungen der Nase, Alkohol- oder Beruhigungsmittelkonsum sowie eingeschränkter Fähigkeit, das Pflaster selbst zu entfernen, ist von eigenständigen Versuchen abzuraten.

Warum atmen manche Menschen nachts durch den Mund?

Nächtliche Mundatmung kann unter anderem durch Allergien, eine verkrümmte Nasenscheidewand, vergrößerte Nasenmuscheln, Infekte, eine ungünstige Schlafposition oder eine Verengung der oberen Atemwege entstehen. Auch bei einer obstruktiven Schlafapnoe schlafen viele Betroffene mit geöffnetem Mund.

Statt nur den Mund zu verschließen, sollte deshalb geklärt werden, warum die Nasenatmung nicht zuverlässig funktioniert. Hinweise auf eine mögliche Schlafapnoe finden Sie im Beitrag Schlafapnoe-Symptome erkennen.

Zur anatomischen Einordnung können die oberen Atemwege und Kieferstrukturen dreidimensional untersucht werden. Auf der Seite Schlafapnoe-Ursachenbestimmung erklären wir, wie wir hierfür unter anderem DVT-Aufnahmen und eine 3D-Analyse einsetzen.

Mouth Taping zusammen mit einer CPAP-Therapie

Bei einer CPAP-Therapie kann Luft aus dem Mund entweichen, wenn eine Nasenmaske verwendet wird. In ausgewählten Fällen können Maßnahmen zum Mundschluss Bestandteil einer ärztlich begleiteten Maskenanpassung sein. Häufig kommen aber auch eine andere Maske, eine Befeuchtung, die Behandlung einer behinderten Nasenatmung oder weitere Anpassungen infrage. Das sollte mit dem behandelnden Schlafzentrum besprochen werden.

Mouth Taping ersetzt weder eine CPAP-Therapie noch eine Unterkieferprotrusionsschiene oder eine individuell geprüfte operative Behandlung. Einen Überblick bietet der Beitrag Unterkieferprotrusionsschiene als CPAP-Alternative.

Was hilft bei Schnarchen und Mundatmung wirklich?

Sinnvolle nächste Schritte sind:

  1. Nasenatmung ärztlich untersuchen lassen.
  2. Bei Atemaussetzern, Luftnot oder Tagesmüdigkeit eine Schlafapnoe-Diagnostik durchführen.
  3. Alkohol am Abend und eigenmächtig eingenommene Schlafmittel vermeiden.
  4. Eine bereits verordnete Schlafapnoe-Therapie nicht selbstständig verändern.
  5. Therapieprobleme mit dem Schlafmediziner besprechen, statt sie mit einem Internet-Trend zu überdecken.

Häufige Fragen

Kann Mouth Taping Schnarchen verhindern?

Bei einzelnen Personen kann sich Schnarchen verringern. Die Studienlage ist klein und uneinheitlich. Schnarchen kann außerdem ein Hinweis auf Schlafapnoe sein und sollte bei weiteren Symptomen abgeklärt werden.

Kann Mouth Taping Schlafapnoe behandeln?

Nein. Mouth Taping ist keine etablierte Schlafapnoe-Therapie. Es beseitigt eine Verengung oder einen Kollaps der oberen Atemwege nicht zuverlässig.

Ist Nasenatmung grundsätzlich besser?

Die Nase filtert, erwärmt und befeuchtet die Atemluft. Wenn die Nasenatmung nachts nicht funktioniert, sollte die Ursache behandelt werden, statt den Mund ohne Diagnostik vollständig zu verschließen.

Quellen

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