CPAP - Deformationen des Gesichts durch die dauerhafte Anwendung

Medizinisch geprüft und aktualisiert am 06.08.2026.

Kurzantwort: Eine über Jahre getragene Nasen-CPAP-Maske kann Druck auf Mittelgesicht, Zähne und Kiefer ausüben. Bei Erwachsenen wurden in kleinen Studien messbare, im Mittel aber geringe Veränderungen festgestellt. Deutliche sichtbare „Gesichtsdeformationen“ sind damit nicht bewiesen. Bei Kindern ist das Thema wichtiger, weil sich das Gesicht noch im Wachstum befindet. CPAP sollte deshalb nicht eigenmächtig abgesetzt werden; sinnvoll sind eine gut angepasste Maske und bei Beschwerden oder bei Kindern regelmäßige Kontrollen.

Wie kann eine CPAP-Maske auf das Gesicht wirken?

CPAP hält den oberen Atemweg im Schlaf durch positiven Luftdruck offen. Die Maske muss dafür ausreichend dicht sitzen. Je nach Maskentyp übertragen Maskenkissen und Haltebänder einen Teil der Gegenkraft auf Nase, Oberlippe, Mittelgesicht oder Unterkiefer.

Kurzfristig entstehen dadurch eher Druckstellen, Hautreizungen oder Leckagen. Über viele Monate oder Jahre ist mechanisch auch eine Wirkung auf Zähne und knöcherne Strukturen denkbar. Wie groß dieser Effekt tatsächlich ist, hängt wahrscheinlich unter anderem von Maskenform, Sitz, Tragedauer, Wachstum und individueller Anatomie ab.

Was zeigte die Erwachsenenstudie?

Eine häufig zitierte prospektive Studie aus Japan untersuchte 46 Erwachsene mit obstruktiver Schlafapnoe. Sie nutzten eine Nasenmaske im Mittel 35 Monate lang ungefähr sechs Stunden pro Nacht. Fernröntgenseitenbilder vor und nach der Behandlung wurden miteinander verglichen.

Gemessen wurden kleine mittlere Veränderungen:

  • Der SNA-Winkel als Maß für die Lage des Oberkiefers verringerte sich um 1,1°.
  • Der SNB-Winkel des Unterkiefers verringerte sich um 0,4°.
  • Der Winkel der oberen Schneidezähne zur Schädelbasis verringerte sich um 1,2°.

Diese Ergebnisse waren statistisch signifikant. Die für den Biss wichtigen Werte Overjet und Overbite änderten sich dagegen nicht signifikant. Keiner der Teilnehmenden berichtete selbst über eine bleibende Veränderung des Bisses oder Gesichtsprofils.

Die Studie zeigt deshalb einen möglichen biologischen Effekt, aber keine häufige schwere Deformation. Sie hatte zudem keine unbehandelte Kontrollgruppe, um altersbedingte Veränderungen auszuschließen, untersuchte nur 46 Personen – davon 41 Männer – und erfasste die Anatomie lediglich zweidimensional.

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2024 fand insgesamt keine erheblichen dentalen oder skelettalen Veränderungen durch CPAP. Gleichzeitig war die Zahl geeigneter Studien klein und die Daten waren heterogen. Die stärkste wissenschaftlich vertretbare Formulierung lautet daher: Kleine Langzeitveränderungen sind möglich; Häufigkeit und klinische Bedeutung bei Erwachsenen sind nicht sicher geklärt.

Warum ist das bei Kindern wichtiger?

Bei Kindern wächst das Mittelgesicht noch. Eine retrospektive Studie verglich 50 Kinder, die nasale PAP-Therapie ausreichend nutzten, mit 50 nicht ausreichend behandelten Kindern. Alle wurden wegen bestehender kraniofazialer Erkrankungen in einem spezialisierten Zentrum betreut.

Nach durchschnittlich 2,57 Jahren zeigte die PAP-konforme Gruppe eine geringere Vorwärtsentwicklung des Mittelgesichts und Veränderungen an Gaumenebene und oberen Schneidezähnen. Weil es sich um Kinder mit besonderen kraniofazialen Voraussetzungen handelte und die Gruppen nicht randomisiert waren, kann das Ergebnis nicht auf jedes Kind übertragen werden. Es ist aber ein guter Grund, bei pädiatrischer Langzeit-PAP-Therapie Wachstum, Maskensitz und Zahnstellung interdisziplinär zu kontrollieren.

Woran sollten CPAP-Nutzer denken?

Sprechen Sie das Behandlungsteam an, wenn Sie Folgendes bemerken:

  • neue Zahnbewegungen oder Veränderungen des Bisses,
  • Druckschmerzen an Nase, Oberkiefer oder Mittelgesicht,
  • anhaltende Druckstellen und Hautschäden,
  • eine Maske, die nur mit stark angezogenen Bändern dicht wird,
  • bei Kindern auffällige Veränderungen von Wachstum oder Zahnstellung.

Häufig lassen sich Belastungen durch eine andere Maskengröße, einen anderen Maskentyp, eine sorgfältige Anpassung oder die Behandlung einer behinderten Nasenatmung reduzieren. Bei Kindern kann eine gemeinsame Betreuung durch Schlafmedizin, Kinderheilkunde und Kieferorthopädie sinnvoll sein. Erwachsene mit neuen Biss- oder Profilveränderungen können zusätzlich zahnärztlich, kieferorthopädisch oder mund-, kiefer- und gesichtschirurgisch untersucht werden.

Sollte man CPAP deshalb absetzen?

Nein. Eine unbehandelte relevante OSA kann Tagesmüdigkeit, Unfallrisiko und kardiometabolische Belastungen erhöhen. Die kleine Erwachsenenstudie selbst kam zu dem Schluss, dass die beobachteten Veränderungen nicht ausreichen, um auf die wirksame CPAP-Therapie zu verzichten.

Wer CPAP gut verträgt und damit zuverlässig behandelt ist, sollte die Therapie weiter anwenden. Wenn CPAP nicht vertragen wird, relevante Nebenwirkungen auftreten oder eine dauerhafte Alternative gewünscht wird, sollte nicht nur die Maske gewechselt, sondern die individuelle Ursache der OSA untersucht werden.

Welche Rolle spielt die Anatomie?

Eine zurückliegende Kieferposition, ein enger knöcherner Atemwegsrahmen oder wenig Platz für die Zunge können wesentlich zur obstruktiven Schlafapnoe beitragen. Sie sind aber nicht bei jedem Patienten die einzige Ursache.

Die Schlafapnoe-Ursachenbestimmung dient dazu, anatomische Engstellen und weitere Einflussfaktoren strukturiert einzuordnen. Bei einer ausgeprägten skelettalen Enge kann ein maxillomandibuläres Advancement den knöchernen Atemwegsrahmen vergrößern und damit kausal an diesem Ursachenanteil ansetzen. Ob eine Schlafapnoe-Operation der Kiefer sinnvoll ist, muss individuell anhand von Schlafbefund, Anatomie, Beschwerden, Behandlungszielen und Operationsrisiken entschieden werden.

Quellen

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