Didgeridoo gegen Schlafapnoe

Eine Überdruckbeatmung mit CPAP-Maske, wird bei einer Schlafapnoe eingesetzt. Mit der Atemmaske wird der Atemtrakt, während der Betroffene schläft, offengehalten. Eine effektive Behandlungsmöglichkeit ist die CPAP-Methode, wobei Betroffene nachts eine Atemmaske tragen. Schweizer Forscher haben nun herausgefunden, dass regelmäßiges Didgeridoo-Spielen, das störende und gesundheitlich oft bedenkliche Schnarchen vermindern kann.

Mit der Überdruckbeatmung gegen Schlafapnoe?

Von fast allen behandelnden Ärzten, wird bei einer Schlafapnoe eine Überdruckbeatmung mit CPAP-Maske verordnet. Die Wirkung dieser Behandlungsform, ist zwar unbestritten, allerdings wird die Therapietreue in Frage gestellt. Eine kanadische Studie hat nun herausgefunden, dass fünf Jahren nach der Erstdiagnose, nur noch etwa 54 % der Apnoiker die CPAP-Therapie auch einsetzen. Etwa die Hälfte der Betroffenen hat die CPAP-Behandlung beendet. Als Hauptgrund, für die schlechte Therapietreue, wurde an erster Stelle, die Geräuschbelästigung genannt. Darüber hinaus wurde der mangelnde Komfort, Angstzustände und Beklemmungen angegeben, als auch eine Austrocknung der Mund- und Nasenschleimhäute. Es war genau diese Patientengruppe, die von Forschern des Universitätsspitals Zürich, ausgewählt wurden, einen recht ungewöhnlichen Weg zu gehen. In klinischen Studien wurde untersucht, ob das Spielen eines Didgeridoos, die Schlafapnoe verbessern oder gar heilen kann.

Warum kann Didgeridoo gegen Schlafapnoe helfen?

Unter einem Didgeridoo versteht man ein traditionelles Blasinstrument, das australische Ureinwohner nutzen. Die Bedienung ist ganz einfach und macht sich mit einem erdig-vibrierenden Klangteppich bemerkbar. Das Blasinstrument soll gegen eine Schlafapnoe helfen, genau wie ein Fitnesstraining gegen einen Muskelabbau. Mit dem Spielen des Didgeridoo, können die Muskeln im Hals- und Rachenraum trainiert werden. Das Bindegewebe wird dadurch gestärkt und besser durchblutet. Zudem soll durch das Training der Atemmuskulatur, Fett im Hals und in der Zunge abgebaut werden.

Wie testen Wissenschaftler ob das Didgeridoo gegen eine Schlafapnoe hilft?

Das Schweizer Forschungsteam aus Zürich, teilte 25 Patienten nach dem Zufallsprinzip ein. Es wurden zwei Gruppen gebildet, eine Didgeridoo-Gruppe und eine Kontrollgruppe. Die 25 Personen hatten alle eine mittelgradige Schlafapnoe, mit einem Body-Mass-Index von knapp 26. Die Studienteilnehmer, deren Alter bei 50 Jahren lag, hatten ein leichtes Übergewicht. 14 Betroffene der Didgeridoo-Gruppe, spielten etwa 4 Monate lang, 6 Tage die Woche mit 25 Minuten täglich das Blasinstrument. Die Kontrollgruppe dagegen mit 11 Betroffenen spielten kein Didgeridoo und lebten ihren Alltag wie gewohnt. Nachdem 4 Monate vergangen waren, wurde nicht nur die Schlafqualität, sondern auch den Atemstörungsindex Apnoe-Hypopnoe-Index offengelegt.

Welche Ergebnisse wurden mit dem Didgeridoo festgestellt?

Die Ergebnisse wurden von dem angesehenen British Medical Journal veröffentlicht. Nach 4 Monaten zeigten die Didgeridoo-Spielenden, eine etwas geringere Tagesmüdigkeit als die Kontrollgruppe. Darüber hinaus wurde eine etwa 48%ige Reduzierung des Atemstörungsindex gezeigt. Der Durchschnittswert AHI reduzierte sich im Zeitraum von 4 Monaten von 22,3h auf 11,6/h. Damit stand fest, dass sich der Schweregrad der Schlafapnoe von mittel bis leicht abgeschwächt hatte. Anhand einer Fragebogenauswertung wurde zudem ermittelt, dass das Didgeridoo die Schlafqualität der Teilnehmer signifikant verbessert hat.

Gibt es Grenzen bei der Didgeridoo Therapie gegen Schlafapnoe?

Die Schweizer Studie ist mit 25 Teilnehmern sehr klein. Außerdem wurden nur Betroffene mit einem leichten Übergewicht und einer mittelgradigen Schlafapnoe getestet. Deshalb bleibt die Frage offen, wie sich das Didgeridoo auf stark adipöse (fettleibige) Patienten auswirkt. Man konnte zwar nur eine etwa 50%ige Reduzierung nachweisen, dennoch blieb die Didgeridoo Therapie deutlich hinter der klassischen CPAP-Therapie. Damit wurde eine durchschnittliche Reduzierung des Apnoe-Hypopnoe von über 80 % erreicht. Auch ein geringer Zeitaufwand gab es mit der klassischen Therapie. Denn eine Überdruckbeatmung findet ja im Schlaf statt. Grundsätzlich also, könnte die neue Behandlungsform eine gute Alternative zur CPAP-Therapie sein. Der Vorteil daraus ist, dass Betroffene nachts kein Atemmaske mehr tragen müssen. (Lungenärzte im Netz).

Kann eine Gewichtsreduzierung die Didgeridoo Therapie unterstützen?

Ein nächtlicher Atemstillstand und chronisches Schnarchen gehen oft Hand in Hand. Aber auch andere Ursachen wie Rauchen, Übergewicht, Alkohol und eine schwache Muskulatur der oberen Atemwege können die Ursache sein. Mit der Schweizer Studie konnte bewiesen werden, dass die Didgeridoo Therapie wirkt. Allerdings stellt sich die Frage, ob der Erfolg aufgrund der verstärkten Atemmuskulatur zurückgeführt werden kann. Es könnte auch ein Fettabbau im Hals und in der Zunge sein, was durch das Spieltraining erreicht wurde. Neuesten Studien zeigen, dass der Schweregrad einer Schlafapnoe, durch eine Gewichtsreduzierung möglich wird. Denn die Fettpölsterchen finden sich nicht nur am Bauch und den Hüften, sondern auch die Zunge ist häufig dicker. Diese Fettgewebepolster drücken von außen auf den Rachen, wodurch der Luftstrom behindert wird. Erschlafft die Rachenmuskulatur während des Schlafs, verschließen sich die oberen Atemwege, so dass ein Atemstillstand kommen kann. Man kann also davon ausgehen, dass “Doppelkinn-Träger” besonders oft schnarch- und apnoegefährdet sind.

Sinnvolle Alternative mit Didgeridoo?

Können Schlafapnoe-Betroffene nicht mehr ausreichend mit der CPAP behandelt werden, kann die Didgeridoo Therapie eine Alternative sein. Allerdings liegt die Herausforderung bei allen Behandlungsformen der Schlafapnoe in der Therapietreue. Das Didgeridoo kann somit seine Stärke aber auch seine Schwäche zeigen. Eine hohe Therapietreue stellt sich ein, wenn der Patient großen Spaß an Blasinstrumenten hat. Ist der Patient nicht musikbegeistert, könnte eine Gewichtsreduzierung eine gute Alternative sein. Auch damit lässt sich eine Besserung der Schlafapnoesymptome erreichen.

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