Obstruktive Schlafapnoe und Typ-2-Diabetes treten häufig gemeinsam auf. Doch bedeutet das auch, dass Schlafapnoe Diabetes verursacht? Die Forschung zeigt einen engen und wahrscheinlich wechselseitigen Zusammenhang – aber keinen einfachen Automatismus.
Wenn Atemaussetzer den Schlaf belasten
Nächtliche Atemaussetzer, Sauerstoffschwankungen und wiederholte kurze Aufweckreaktionen können den Schlaf stark fragmentieren. Viele Betroffene fühlen sich morgens nicht erholt und leiden unter Tagesmüdigkeit, Antriebslosigkeit oder Konzentrationsproblemen. Nicht jeder Patient bemerkt diese Beschwerden jedoch gleich stark.
Wie hängen Schlafapnoe und Diabetes zusammen?
Bei einer obstruktiven Schlafapnoe führen wiederholte Atemereignisse zu intermittierender Hypoxie, Aktivierung des sympathischen Nervensystems und vermehrten Stressreaktionen. Diese Mechanismen können die Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin beeinträchtigen und eine Insulinresistenz begünstigen. Zusätzlich teilen beide Erkrankungen wichtige Risikofaktoren, insbesondere Übergewicht, höheres Lebensalter und Bewegungsmangel.
Prospektive Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit mittelgradiger oder schwerer Schlafapnoe häufiger einen Typ-2-Diabetes entwickeln. Das ist eine statistische Assoziation und bedeutet nicht, dass jeder Mensch mit Schlafapnoe zwangsläufig Diabetes bekommt.
Insulin – ein lebensnotwendiges Hormon
Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Es ermöglicht den Körperzellen, Glukose aus dem Blut aufzunehmen, und senkt dadurch den Blutzuckerspiegel. Bei einer Insulinresistenz reagieren die Zellen weniger empfindlich auf das Hormon. Die Bauchspeicheldrüse muss zunächst mehr Insulin bereitstellen; im weiteren Verlauf kann sich daraus ein Typ-2-Diabetes entwickeln.
Stresshormone wie Adrenalin und Kortisol stellen dem Körper in Belastungssituationen zusätzliche Energie zur Verfügung und können den Blutzucker erhöhen. Wiederholte nächtliche Stressreaktionen sind deshalb ein plausibler Mechanismus, über den Schlafapnoe die Regulation des Glukosestoffwechsels beeinflussen kann.
Wie häufig treten beide Erkrankungen gemeinsam auf?
Die Häufigkeit hängt stark von Alter, Gewicht, Schweregrad und untersuchter Patientengruppe ab. Die pauschale Aussage, die Hälfte aller Menschen mit Schlafapnoe habe Typ-2-Diabetes, lässt sich nicht aufrechterhalten. In einer Untersuchung von 280 überwiegend übergewichtigen Patienten mit mittelgradiger oder schwerer Schlafapnoe hatten 22 Prozent einen Diabetes und weitere 44 Prozent eine gestörte Glukosetoleranz.
Umgekehrt ist Schlafapnoe bei Menschen mit Typ-2-Diabetes besonders häufig. Deshalb kann es sinnvoll sein, bei typischen Beschwerden wie lautem Schnarchen, beobachteten Atempausen oder ausgeprägter Tagesmüdigkeit gezielt nach einer Schlafapnoe zu suchen.
Ist Schnarchen ein Diabetesrisiko?
Regelmäßiges Schnarchen kann ein Hinweis auf verengte obere Atemwege und eine noch nicht erkannte Schlafapnoe sein. In einer prospektiven Untersuchung mit 69.852 Frauen war regelmäßiges Schnarchen auch nach Berücksichtigung von Körpergewicht und weiteren Risikofaktoren mit einem erhöhten späteren Diabetesrisiko verbunden. Da Schnarchen per Fragebogen erfasst wurde und es sich um eine Beobachtungsstudie handelte, beweist die Untersuchung nicht, dass Schnarchen selbst Diabetes verursacht.
Die Behandlung beider Erkrankungen ist wichtig
Schlafapnoe und Diabetes sollten jeweils fachgerecht behandelt werden. Eine Metaanalyse von 11 randomisierten Studien mit 964 Patienten fand unter CPAP eine durchschnittliche Senkung des HbA1c um 0,24 Prozentpunkte. Der mögliche Stoffwechselnutzen nahm mit der nächtlichen Anwendungsdauer zu. CPAP ersetzt jedoch weder eine Diabetesbehandlung noch eine gesunde Ernährung, Bewegung oder ärztlich verordnete Medikamente.
Bei ausgewählten Patienten können auch eine Unterkieferprotrusionsschiene, Gewichtsreduktion, Positionstherapie oder eine ursachenorientierte Operation infrage kommen. Anatomische Eingriffe können die obstruktive Schlafapnoe bei passender Indikation deutlich verbessern; eine vollständige Heilung lässt sich im Einzelfall aber nicht garantieren. Welche Behandlung passt, hängt von Schlafmessung, Beschwerden, Begleiterkrankungen und Anatomie ab. Eine individuelle Ursachen- und Atemwegsanalyse kann dabei zusätzliche anatomische Hinweise liefern.