Kurzantwort: Ein niedriger AHI schließt eine behandlungsbedürftige schlafbezogene Atmungsstörung nicht automatisch aus. Bei leichter OSA hängt die Therapieentscheidung zusätzlich von Tagesmüdigkeit, Lebensqualität, Begleiterkrankungen, Sauerstoffabfällen, Weckreaktionen, Lageabhängigkeit und persönlichen Voraussetzungen ab. CPAP ist eine wirksame Option, aber nicht für jede Person mit einem AHI zwischen 5 und 15 zwingend die einzige Behandlung.
Redaktionell medizinisch geprüft und aktualisiert am 27.07.2026.
Wie wird der AHI eingeteilt?
Bei Erwachsenen werden üblicherweise folgende Bereiche verwendet:
- unter 5 Ereignisse pro Stunde: kein AHI-basierter OSA-Nachweis,
- 5 bis unter 15: leichte OSA,
- 15 bis unter 30: mittelgradige OSA,
- ab 30: schwere OSA.
Diese Schwellen sind standardisiert und konventionell etabliert. Der konkrete Messwert kann dennoch durch die verwendete Hypopnoe-Regel, tatsächliche Schlafzeit, Rückenlage, REM-Schlaf und Schwankungen zwischen verschiedenen Nächten beeinflusst werden.
Was ist eine Hypopnoe?
Eine Hypopnoe ist eine messbare Verringerung des Atemflusses, die nach der verwendeten Auswertungsregel mit einer Sauerstoffentsättigung und/oder einer EEG-Weckreaktion verbunden ist. Eine Hypopnoe ist deshalb nicht einfach mit einer Sauerstoffentsättigung gleichzusetzen.
Wann ist CPAP bei leichter OSA sinnvoll?
Die AASM empfiehlt PAP besonders bei OSA mit ausgeprägter Tagesschläfrigkeit. Es kann außerdem bei beeinträchtigter schlafbezogener Lebensqualität oder gleichzeitigem Bluthochdruck angeboten werden. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt PAP bei AHI über 15 und sieht es bei leichter OSA mit relevanter Müdigkeit oder kardiovaskulärem Risiko als mögliche Behandlung.
Praktisch sprechen für einen CPAP-Versuch unter anderem:
- deutliche Tagesschläfrigkeit oder sicherheitsrelevanter Sekundenschlaf,
- relevante Beeinträchtigung von Alltag und Lebensqualität,
- Bluthochdruck oder bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- ausgeprägte Sauerstoffabfälle oder hohe Ereignislast in REM- oder Rückenlage,
- unzureichende Wirkung oder fehlende Eignung anderer Optionen.
Bei leichter, lageabhängiger OSA ohne ausgeprägte Beschwerden können je nach Befund auch Lagerung, Gewichtsmanagement oder eine individuell angepasste Unterkieferprotrusionsschiene sinnvoll sein.
Was, wenn der AHI unter 5 liegt, aber Beschwerden bestehen?
Dann sollte nicht automatisch CPAP verordnet, aber auch nicht vorschnell Entwarnung gegeben werden. Zu prüfen sind:
- War die ambulante Aufzeichnung technisch ausreichend?
- Wurde Aufnahmezeit statt tatsächlicher Schlafzeit als Nenner verwendet?
- Gab es Atemflusslimitierungen und RERAs, die im AHI nicht erscheinen?
- Waren genügend REM-Schlaf und Rückenlage enthalten?
- Gibt es andere Ursachen der Müdigkeit?
Bei hohem Verdacht trotz negativer Heimuntersuchung empfiehlt die AASM eine Polysomnographie. Dort können Schlafstadien und EEG-Weckreaktionen erfasst werden.
Schwere OSA: CPAP plus Schiene?
CPAP ist bei schwerer OSA in der Regel die Referenztherapie und kann den Atemweg bei korrekter Einstellung auch ohne zusätzliche Schiene offenhalten. Eine Kombination aus PAP und Unterkieferprotrusionsschiene kann in ausgewählten Fällen den benötigten Druck senken oder bei speziellen Restproblemen helfen. Die Evidenz ist begrenzt; es handelt sich nicht um eine routinemäßig erforderliche Standardkombination.
Wer eine langfristige Alternative sucht, sollte die Ursache und Eignung prüfen lassen. Bei relevanter Kieferenge kann eine MMA-Operation direkt die anatomische Begrenzung des Atemwegs verändern.
Quellen und Evidenz
- AASM-Diagnostikleitlinie, 2017: https://www.aasm.org/resources/clinicalguidelines/diagnostic-testing-osa.pdf
- AASM-Position zu Arousal, RDI und RERAs, 2018: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29991439/
- AASM-PAP-Leitlinie, 2019: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30736887/
- AASM-Systematic Review zur PAP-Therapie, 2019: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30736888/
- Deutsche S3-Leitlinie, Version 2017 mit Aktualisierungshinweis 2023: https://register.awmf.org/assets/guidelines/063-001l_S3_SBAS_2023-01_verlaengert_und_Hinweis_Teil-Aktualisierung.pdf
- AASM/AADSM-Leitlinie zu Unterkieferprotrusionsschienen, 2015: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26094920/