Cannabis bei Schlafapnoe

Redaktionell geprüft und aktualisiert am 20.07.2026.

Cannabis wird nicht zur Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe empfohlen. Zwar zeigte eine kleine Phase-II-Studie mit dem synthetischen Cannabinoid Dronabinol eine Verringerung des Apnoe-Hypopnoe-Index. Das Ergebnis lässt sich jedoch weder auf frei verfügbares Cannabis übertragen noch belegt es eine langfristig wirksame und sichere Therapie.

Kurzantwort: Hilft Cannabis gegen Schlafapnoe?

Nach heutigem Wissensstand lautet die Antwort: Cannabis ist keine anerkannte Schlafapnoe-Behandlung. Fachgesellschaften raten von medizinischem Cannabis und synthetischen Cannabisextrakten zur Selbstbehandlung der obstruktiven Schlafapnoe ab. Eine verordnete CPAP- oder andere Schlafapnoe-Therapie sollte keinesfalls eigenständig durch Cannabis ersetzt werden.

Was wurde in der Dronabinol-Studie untersucht?

Die häufig zitierte PACE-Studie untersuchte 73 Erwachsene mit mittelgradiger oder schwerer obstruktiver Schlafapnoe. Die Teilnehmenden erhielten sechs Wochen lang entweder ein Placebo oder 2,5 beziehungsweise 10 Milligramm Dronabinol pro Tag. Dronabinol ist standardisiert hergestelltes Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC).

In den Dronabinol-Gruppen verringerte sich der AHI im Vergleich zum Placebo dosisabhängig. Die Studie war jedoch klein und kurz. Sie konnte weder einen dauerhaften Behandlungserfolg noch die langfristige Sicherheit oder eine Senkung gesundheitlicher Folgeerkrankungen nachweisen.

Dronabinol ist nicht dasselbe wie Cannabis

Die Untersuchung verwendete eine genau dosierte Einzelsubstanz. Cannabisblüten, Cannabisöl und andere Produkte enthalten wechselnde Mengen verschiedener Cannabinoide. Rauchen oder Verdampfen von Cannabis ist deshalb nicht mit der geprüften Dronabinol-Dosis vergleichbar.

Aus der Studie folgt insbesondere nicht, dass Marihuana Atemaussetzer sicher reduziert. Der alte Begriff „neue Hoffnung“ war daher zu optimistisch und konnte zu einer falschen Selbstbehandlung verleiten.

Warum Fachgesellschaften von Cannabis abraten

Die American Academy of Sleep Medicine bewertet die Evidenz als unzureichend. Wichtige Gründe sind:

  • fehlende große Langzeitstudien,
  • unklare Dosierung und unterschiedliche Produktzusammensetzung,
  • mögliche Nebenwirkungen wie zusätzliche Tagesmüdigkeit,
  • fehlender Nachweis, dass Herz-Kreislauf- oder andere Langzeitrisiken sinken,
  • das Risiko, eine wirksame Therapie zu verzögern oder abzubrechen.

Gerade Tagesmüdigkeit ist bei Schlafapnoe sicherheitsrelevant, weil sie das Unfallrisiko im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz erhöhen kann.

Welche Therapien sind etabliert?

Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad, Beschwerden, Anatomie, Begleiterkrankungen und persönlichen Voraussetzungen. Zu den etablierten Möglichkeiten gehören unter anderem:

  • CPAP oder eine andere Form der positiven Atemwegsdrucktherapie,
  • eine individuell angepasste Unterkieferprotrusionsschiene,
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht,
  • Positionstherapie bei lageabhängiger Schlafapnoe,
  • die Behandlung einer behinderten Nasenatmung,
  • ausgewählte operative Verfahren nach sorgfältiger Diagnostik.

Der AHI erklärt den Schweregrad der Schlafapnoe, reicht für die Therapieentscheidung allein aber nicht aus. Eine Behandlung sollte immer gemeinsam mit qualifizierten Fachpersonen festgelegt werden.

Welche Therapie infrage kommt, hängt auch von der individuellen Anatomie ab. Unsere Seite zur Schlafapnoe-Ursachenbestimmung zeigt, wie wir obere Atemwege und Kieferstrukturen mit DVT und 3D-Analyse beurteilen.

Was sollten Betroffene tun?

Wer Cannabis nutzt und eine Schlafapnoe hat, sollte dies im ärztlichen Gespräch offen ansprechen. Das gilt besonders bei ausgeprägter Tagesmüdigkeit oder gleichzeitiger Einnahme beruhigender Medikamente. Eine laufende CPAP-Therapie sollte nicht ohne Rücksprache reduziert oder beendet werden.

Bei Problemen mit der Maske gibt es meist mehrere Ansatzpunkte: Maskenform, Druckeinstellung, Befeuchtung und Begleiterkrankungen können überprüft werden. Auch andere Therapieoptionen lassen sich individuell beurteilen.

Häufige Fragen

Ist Dronabinol für Schlafapnoe zugelassen?

Dronabinol ist keine etablierte oder von schlafmedizinischen Fachgesellschaften empfohlene Standardtherapie der obstruktiven Schlafapnoe.

Kann CBD bei Schlafapnoe helfen?

Für CBD gibt es keinen ausreichenden klinischen Wirksamkeitsnachweis als Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe.

Darf ich CPAP durch Cannabis ersetzen?

Nein. Cannabis hält die oberen Atemwege nicht zuverlässig offen und ist kein gleichwertiger Ersatz für CPAP.

Quellen

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