OSAS - Obstruktives Schlafapnoe Syndrom - Obere Atemwege

Kurzantwort: Das Schlafapnoe-Syndrom umfasst wiederholte Atmungsstörungen im Schlaf und die damit verbundenen Beschwerden oder Gesundheitsrisiken. Am häufigsten ist die obstruktive Schlafapnoe. Sie entsteht meist aus einem individuellen Zusammenspiel von Atemwegsanatomie, Gewicht, Muskelreaktion, Schlafposition und Atemregulation.

Medizinisch kontrolliert und aktualisiert am 28.07.2026.

Wie häufig ist Schlafapnoe?

Ältere Angaben von zwei bis drei Prozent unterschätzen die Häufigkeit nach heutigen Mess- und Scoringkriterien. In einer bevölkerungsbezogenen Schweizer Studie mit 2.121 Erwachsenen im Alter von 40 bis 85 Jahren hatten 23,4 % der Frauen und 49,7 % der Männer einen AHI von mindestens 15/h.

Diese Zahlen bedeuten nicht, dass die Hälfte aller Männer dieselben Beschwerden hat oder dieselbe Behandlung benötigt. Die gemessene Häufigkeit hängt stark von Alter, untersuchter Population, Messverfahren, Definition der Hypopnoe und der Frage ab, ob zusätzlich Beschwerden gefordert werden.

OSA wird im Mittel mit dem Alter häufiger und ist bei Männern häufiger. Nach der Menopause nimmt das Risiko bei Frauen zu. Frauen können jedoch in jedem Erwachsenenalter betroffen sein und zeigen häufiger unspezifische Beschwerden wie Erschöpfung, depressive Verstimmung oder Ein- und Durchschlafstörungen.

Welche Formen gibt es?

Obstruktive Schlafapnoe

Bei der OSA wird der Atemweg trotz fortbestehender Atemanstrengung wiederholt enger oder verschließt sich. Typisch sind Schnarchen, beobachtete Atemaussetzer, Luftschnappen, nicht erholsamer Schlaf, morgendliche Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und Tagesschläfrigkeit.

Zentrale Schlafapnoe

Bei zentralen Ereignissen fehlt vorübergehend der entsprechende Atemantrieb. Zentrale Schlafapnoe ist keine einheitliche Alterskrankheit. Mögliche Zusammenhänge sind Herzinsuffizienz, Opioide, Höhenaufenthalt, neurologische oder andere Erkrankungen. Sie kann auch nach Beginn einer OSA-Therapie auftreten. Schnarchen oder Beinbewegungen reichen nicht aus, um OSA und CSA zu unterscheiden; dafür ist die Messung von Atemfluss und Atemanstrengung erforderlich.

Gemischte Ereignisse

Gemischte Ereignisse besitzen zentrale und obstruktive Anteile. Für die Behandlung muss geklärt werden, welcher Anteil klinisch relevant ist und welche Ursache behandelt werden kann.

Wie entsteht obstruktive Schlafapnoe?

Im Wachzustand stabilisiert die Muskulatur den oberen Atemweg. Im Schlaf nimmt diese Aktivität ab. Ob der Atemweg dabei kollabiert, wird maßgeblich von seinem anatomischen Raum und seiner Kollapsneigung bestimmt.

Mögliche anatomische Faktoren sind:

  • kleiner oder zurückliegender Ober- und Unterkiefer,
  • reduzierter Raum hinter Zunge und weichem Gaumen,
  • große Zunge oder vermehrtes Weichteilgewebe,
  • vergrößerte Mandeln,
  • Fettablagerungen im Hals- und Zungenbereich,
  • eine eingeschränkte Nasenatmung als zusätzlicher Belastungsfaktor.

Systematische Übersichtsarbeiten zeigen bei OSA-Patienten im Gruppenvergleich unter anderem Veränderungen der Unterkieferposition, des Zungen- und Zungenbeinbereichs sowie einen reduzierten oberen Atemwegsraum. Diese Befunde belegen die Bedeutung der Kiefer- und Atemwegsanatomie. Sie machen die OSA aber nicht bei jedem Patienten zu derselben Krankheit.

Neben der Anatomie können eine geringe Reaktionsfähigkeit der oberen Atemwegsmuskulatur, eine niedrige Weckschwelle und eine instabile Atemregulation beteiligt sein. Übergewicht, Alkohol, sedierende Medikamente und Rückenlage können die vorhandene Kollapsneigung verstärken.

Eine Erkältung, Allergie, Septumabweichung oder Nasenpolypen können die Nasenatmung und den Schlaf verschlechtern. Ob sie allein eine relevante OSA verursachen, lässt sich nicht pauschal sagen. Das muss individuell untersucht werden.

Welche Folgen sind möglich?

Unbehandelte OSA ist mit Bluthochdruck, Vorhofflimmern und anderen Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Verkehrsunfällen und eingeschränkter Lebensqualität verbunden. Das individuelle Risiko hängt unter anderem von AHI, Sauerstoffabfällen, Beschwerden und Begleiterkrankungen ab.

OSA und gastroösophagealer Reflux kommen häufiger gemeinsam vor. Ob OSA Reflux direkt verursacht, Reflux den Schlaf verschlechtert oder gemeinsame Risikofaktoren den Zusammenhang erklären, ist noch nicht abschließend geklärt. Sodbrennen sollte deshalb eigenständig abgeklärt werden.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Entscheidend ist eine Schlafmessung. Eine ambulante Polygraphie kann bei unkompliziertem OSA-Verdacht geeignet sein. Bei unklarem oder negativem Befund trotz hohem Verdacht, relevanten Begleiterkrankungen oder Verdacht auf zentrale Ereignisse ist häufig eine Polysomnographie im Schlaflabor sinnvoll.

Neben dem AHI sollten Art der Ereignisse, Sauerstoffsättigung, Schlafposition, Beschwerden und Begleiterkrankungen berücksichtigt werden. Ein Online-Schlafapnoe-Test kann nur das Risiko einschätzen und keine Diagnose stellen.

Welche Therapien gibt es?

PAP-Therapie

CPAP hält den Atemweg während der Anwendung pneumatisch offen. Die Therapie kontrolliert die OSA sehr wirksam, verändert aber die zugrunde liegende Kieferanatomie nicht. Entscheidend sind passende Maske, Druckeinstellung, Begleitung und Nutzung über die gesamte Schlafzeit.

Unterkieferprotrusionsschiene

Eine individuell angefertigte Schiene verlagert den Unterkiefer im Schlaf nach vorn. Sie kommt insbesondere bei Schnarchen sowie ausgewählten Patienten mit leichter bis mittelgradiger OSA oder CPAP-Unverträglichkeit infrage. Der Erfolg sollte objektiv gemessen werden.

Gewicht, Bewegung und Lage

Bei Adipositas kann eine nachhaltige Gewichtsreduktion den Schweregrad der OSA deutlich senken. Bei entsprechender medizinischer Indikation kann eine medikamentöse Gewichtsbehandlung ein Bestandteil des Gesamtkonzepts sein. Eine rückenlageabhängige OSA kann zusätzlich auf Positionstherapie ansprechen.

Zielgerichtete Operation

Operationen sind dann sinnvoll, wenn eine relevante anatomische Engstelle nachgewiesen ist und Nutzen und Risiken abgewogen wurden. Vergrößerte Mandeln, bestimmte Weichteilengstellen oder eine zu enge Kieferanatomie erfordern unterschiedliche Verfahren.

Wenn ein kleiner oder zurückliegender knöcherner Atemwegsrahmen wesentlich zur OSA beiträgt, erweitert die bimaxilläre Vorverlagerung den Atemweg hinter Gaumen und Zunge dauerhaft. In dieser Situation ist die MMA eine anatomisch kausale Therapie und kann eine objektive Heilung erreichen. Sie ist kein pauschales Heilversprechen für jede OSA und behandelt keine unabhängig bestehende zentrale Schlafapnoe.

Warum eine individuelle Ursachenbestimmung wichtig ist

Der gleiche AHI kann bei zwei Menschen aus unterschiedlichen Kombinationen von Anatomie, Gewicht, Schlafposition und Atemregulation entstehen. Eine Therapieentscheidung sollte deshalb nicht nur nach einer Zahl getroffen werden.

Auf unserer Seite zur Schlafapnoe-Ursachenbestimmung erklären wir, wie der individuelle Atemweg untersucht wird. Wenn eine relevante Kieferenge vorliegt, finden Sie unter Schlafapnoe-Operation weitere Informationen zur MMA.

Medizinische Quellen

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