Die obstruktive Schlafapnoe steht mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung. Die Überdrucktherapie mit CPAP hält die oberen Atemwege während der Anwendung offen, vermindert Atemaussetzer und kann Tagesmüdigkeit, Lebensqualität und Blutdruck verbessern. Ob CPAP darüber hinaus Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindert, lässt sich jedoch nicht mit einer einfachen Ja-oder-Nein-Antwort beschreiben.

Was zeigte die große Metaanalyse von 2017?

Eine 2017 in JAMA veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse wertete 10 randomisierte Studien mit insgesamt 7.266 Patienten aus. In der gemeinsamen Auswertung war die Überdrucktherapie nicht mit einer statistisch signifikanten Senkung schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse oder der Sterblichkeit verbunden. Für den kombinierten Endpunkt aus akutem Koronarsyndrom, Schlaganfall oder gefäßbedingtem Tod lag das relative Risiko bei 0,77; das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte jedoch von 0,53 bis 1,13.

Dieses Ergebnis bedeutet: In den untersuchten Patientengruppen ließ sich im Durchschnitt kein sicherer vorbeugender Effekt nachweisen. Es beweist nicht, dass CPAP bei keinem einzelnen Patienten einen Herz-Kreislauf-Nutzen haben kann.

Welche Rolle spielt die regelmäßige Nutzung?

Eine Individualdaten-Metaanalyse aus dem Jahr 2023 untersuchte 4.186 Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe und bereits bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung. In der randomisierten Gesamtanalyse unterschied sich das Risiko erneuter schwerer kardiovaskulärer Ereignisse nicht zwischen CPAP und der Kontrollgruppe. Bei Patienten, die CPAP im Durchschnitt mindestens vier Stunden pro Nacht nutzten, war eine gute Adhärenz jedoch mit einem geringeren Ereignisrisiko verbunden.

Diese Adhärenzanalyse ist klinisch interessant, beweist aber noch keine eindeutige Kausalität: Menschen, die eine Therapie konsequent anwenden, können sich auch in anderen gesundheitsrelevanten Merkmalen von weniger konsequenten Anwendern unterscheiden.

Warum sind die Studienergebnisse nicht eindeutig?

Viele große Studien schlossen überwiegend ältere Patienten mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vergleichsweise geringer Tagesschläfrigkeit ein. Zudem lag die durchschnittliche nächtliche Anwendungsdauer häufig unter vier Stunden. Auch Behandlungsdauer, Begleiterkrankungen und die individuellen Ursachen der Schlafapnoe unterscheiden sich. Deshalb lassen sich die Ergebnisse nicht uneingeschränkt auf jeden Menschen mit Schlafapnoe übertragen.

CPAP schwächt nach heutigem Kenntnisstand weder die Atemwegsmuskulatur noch macht es das Gehirn von der Maske abhängig. Nach dem Absetzen kehrt die Schlafapnoe häufig rasch zurück, weil die zugrunde liegende Erkrankung weiterhin besteht. Kleine anatomische Untersuchungen fanden unter CPAP eher eine Erweiterung des Atemwegs, wahrscheinlich durch eine Abnahme von Schleimhautödemen.

Bei einem Teil der Patienten können während der Einleitung einer Überdrucktherapie zentrale Atemereignisse auftreten. Diese sogenannte behandlungsinduzierte zentrale Schlafapnoe hängt unter anderem mit einer instabilen Atemregulation zusammen und verschwindet bei vielen Betroffenen im weiteren Verlauf wieder. Sie entsteht nicht dadurch, dass sich das Gehirn an die Atemmaske „gewöhnt“.

Symptomkontrolle und Ursachenbehandlung gehören zusammen

CPAP bleibt eine wirksame Standardtherapie, solange es ausreichend und regelmäßig angewendet wird. Gleichzeitig ist die obstruktive Schlafapnoe eine heterogene Erkrankung. Bei manchen Menschen stehen Übergewicht, Schlafposition oder Weichteile im Vordergrund, bei anderen eine ausgeprägte anatomische Enge oder eine Rücklage der Kiefer.

Abhängig vom individuellen Befund kommen neben CPAP unter anderem Gewichtsmanagement, Positionstherapie, eine individuell angefertigte Unterkieferprotrusionsschiene oder operative Verfahren infrage. Bei sorgfältig ausgewählten Patienten kann eine ursachenorientierte Behandlung die Schlafapnoe deutlich vermindern und in einzelnen Fällen zu einer vollständigen Remission führen. Welche Therapie geeignet ist, sollte anhand der Schlafmessung, Beschwerden, Begleiterkrankungen und Anatomie entschieden werden. Eine 3D-Atemwegsanalyse kann dabei zusätzliche anatomische Informationen liefern.

Medizinische Quellen

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