
Redaktionell geprüft und aktualisiert am 20.07.2026.
Kurz erklärt: Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) beschreibt, wie viele vollständige oder teilweise Atemaussetzer durchschnittlich pro Stunde Schlaf auftreten. Er ist ein zentraler Messwert bei der Diagnostik einer obstruktiven Schlafapnoe, sollte aber niemals isoliert beurteilt werden.
Was ist der AHI?
AHI steht für Apnoe-Hypopnoe-Index. Eine Apnoe ist eine vorübergehende vollständige Unterbrechung des Atemflusses. Bei einer Hypopnoe ist der Atemfluss deutlich vermindert und geht je nach verwendeter Auswertungsregel mit einer Sauerstoffentsättigung oder einer Weckreaktion einher.
Der AHI wird bei einer Schlafuntersuchung ermittelt. Dazu wird die Zahl der bewerteten Apnoen und Hypopnoen durch die gemessene Schlafzeit in Stunden geteilt. Werden beispielsweise 120 Atemereignisse während sechs Stunden Schlaf erfasst, ergibt sich ein AHI von 20 Ereignissen pro Stunde.
AHI-Grenzwerte bei Erwachsenen
In der klinischen Praxis werden bei Erwachsenen üblicherweise folgende Bereiche verwendet:
- AHI unter 5: unterhalb der üblichen diagnostischen Schwelle
- AHI 5 bis unter 15: leichte obstruktive Schlafapnoe
- AHI 15 bis unter 30: mittelgradige obstruktive Schlafapnoe
- AHI ab 30: schwere obstruktive Schlafapnoe
Ein AHI unter 5 bedeutet nicht automatisch, dass jede schlafbezogene Atmungsstörung ausgeschlossen ist. Umgekehrt sagt ein erhöhter AHI allein noch nicht, wie stark eine Person im Alltag beeinträchtigt oder gesundheitlich gefährdet ist.
Ab welchem AHI liegt eine Schlafapnoe vor?
Nach den gebräuchlichen diagnostischen Kriterien kann eine obstruktive Schlafapnoe vorliegen, wenn mindestens fünf überwiegend obstruktive Atemereignisse pro Stunde Schlaf gemessen werden und zusätzlich typische Schlafapnoe-Symptome oder relevante Begleiterkrankungen bestehen. Ab etwa 15 Ereignissen pro Stunde kann die Diagnose auch ohne deutlich wahrgenommene Beschwerden gestellt werden.
Die Diagnose darf deshalb nicht allein anhand einer Zahl oder eines Online-Selbsttests erfolgen. Erforderlich sind eine ärztliche Beurteilung und eine geeignete apparative Schlafdiagnostik.
Warum der AHI allein nicht ausreicht
Der AHI zählt, wie häufig Atemereignisse auftreten. Er zeigt jedoch nur unvollständig, wie lang die Ereignisse dauern, wie tief der Sauerstoffgehalt fällt oder wie stark der Schlaf fragmentiert wird. Zwei Personen mit demselben AHI können deshalb sehr unterschiedliche Beschwerden und Risiken haben.
Für eine umfassende Bewertung werden unter anderem berücksichtigt:
- Ausmaß und Dauer der Sauerstoffabfälle
- Sauerstoffentsättigungsindex (ODI)
- niedrigste gemessene Sauerstoffsättigung
- Zeitanteil mit einer Sauerstoffsättigung unter 90 Prozent (T90)
- Weckreaktionen und Schlafstruktur
- Verteilung der Ereignisse in Rückenlage und anderen Schlafpositionen
- Unterschiede zwischen REM- und Non-REM-Schlaf
- Tagesschläfrigkeit, Erschöpfung und weitere Beschwerden
- Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes
Neuere Forschung untersucht zusätzlich die sogenannte hypoxische Belastung. Sie berücksichtigt nicht nur die Zahl, sondern auch Tiefe und Dauer der mit Atemereignissen verbundenen Sauerstoffabfälle. Solche ergänzenden Messwerte sind wissenschaftlich vielversprechend, ersetzen bislang aber nicht die etablierte klinische Gesamtbeurteilung.
Was ist der Unterschied zwischen AHI, RDI, REI und ODI?
RDI – Respiratory Disturbance Index
Der RDI kann neben Apnoen und Hypopnoen auch atmungsbedingte Weckreaktionen erfassen, sogenannte RERAs. Abhängig von Messverfahren und Definition kann der RDI deshalb höher als der AHI ausfallen.
REI – Respiratory Event Index
Bei einer ambulanten Polygraphie wird häufig die Aufzeichnungszeit verwendet, weil die tatsächliche Schlafzeit nicht immer direkt gemessen wird. Der daraus berechnete REI kann den Schweregrad unterschätzen, wenn eine Person während eines Teils der Messung wach war.
ODI – Oxygen Desaturation Index
Der ODI beschreibt, wie oft der Sauerstoffgehalt des Blutes pro Stunde um einen festgelegten Wert abfällt. Er liefert wichtige Zusatzinformationen, ist aber ebenfalls kein alleiniger Beweis für oder gegen eine obstruktive Schlafapnoe.
Wie zuverlässig sind die Werte eines CPAP-Geräts?
Viele CPAP-Geräte zeigen einen geschätzten AHI oder Ereignisse pro Stunde an. Diese Daten sind hilfreich, um den Therapieverlauf zu beobachten. Die Berechnung erfolgt jedoch mit herstellerspezifischen Algorithmen und ist nicht mit einer vollständigen Schlaflaboruntersuchung gleichzusetzen.
Bleibt der angezeigte Wert erhöht oder bestehen weiterhin Beschwerden, sollte die Therapie ärztlich kontrolliert werden. Einstellungen am Gerät sollten nicht eigenständig verändert werden.
Häufige Fragen zum AHI
Ist ein AHI unter 5 immer gesund?
Ein AHI unter 5 liegt unterhalb der üblichen OSA-Schwelle. Andere Schlafstörungen, eine schlafbezogene Hypoxämie oder klinisch relevante Beschwerden werden dadurch aber nicht ausgeschlossen.
Ist ein hoher AHI automatisch gefährlich?
Mit zunehmendem AHI steigt im Allgemeinen die Krankheitslast. Das individuelle Risiko hängt jedoch auch von Sauerstoffbelastung, Beschwerden, Alter und Begleiterkrankungen ab.
Kann der AHI von Nacht zu Nacht schwanken?
Ja. Schlafposition, REM-Schlafanteil, Alkohol, Medikamente, Infekte und die tatsächliche Schlafdauer können das Messergebnis beeinflussen. Eine einzelne Nacht muss deshalb immer im klinischen Zusammenhang interpretiert werden.
Welcher AHI sollte unter Therapie erreicht werden?
Das Therapieziel wird individuell festgelegt. Entscheidend sind neben einer deutlichen Reduktion der Atemereignisse auch erholsamer Schlaf, weniger Beschwerden und eine ausreichende Sauerstoffversorgung.
Wann sollte der AHI ärztlich besprochen werden?
Eine schlafmedizinische Abklärung ist besonders sinnvoll, wenn lautes Schnarchen, beobachtete Atempausen, nächtliches Luftschnappen, ausgeprägte Tagesmüdigkeit oder relevante Begleiterkrankungen bestehen. Informationen zum weiteren Vorgehen finden Sie im Schlafapnoe-Test und auf unserer Seite zur Schlafapnoe-Therapie.